Aale


Aale
Aale,
 
Echte Aale, Anguịllidae, Familie der Aalartigen Fische mit kleinen Schuppen und vielen Schleimzellen in der Haut. Im Blut der Aale ist das Aalgift enthalten. Der Flussaal (Europäischer Aal, Anguilla anguilla) und der Amerikanische Aal (Anguilla rostrata) leben zeitweise im Süßwasser; ihre Geburtsstätte liegt in der Tiefe der Sargassosee nördlich der Antillen. Die 10 mm großen, weidenblattähnlichen Aallarven (Leptocephalus) wandern, größer werdend, mit dem Florida- und Golfstrom nach Nordwesten oder Nordosten. Im 2. oder 4. Jahr verwandeln sie sich unter Abnahme ihrer Länge in die drehrunden, durchsichtigen Glasaale. Diese verfärben sich allmählich zu Gelbaalen mit dunklem Rücken und gelbem Bauch. Ein Teil der Gelbaale wandert, als Steigaale oder Montée bezeichnet, in die zum Atlantik entwässernden Flüsse Nordamerikas oder Europas (hier auch ins Mittelmeer). Die Männchen werden innerhalb von mehreren Jahren bis 50 cm lang und halten sich vor allem in den Unterläufen der Flüsse auf, die Weibchen werden bis 100 cm, selten 150 cm lang und leben in den Mittel- und Oberläufen der Flüsse sowie in Seen; alle erhalten nach Erreichen eines bestimmten Reifegrades, der von den Männchen im Alter von 8 bis 10 Jahren und von den Weibchen nach etwa 12 Jahren erlangt wird, einen Silberglanz und vergrößerte Augen (Blankaale oder Silberaale); die Fortpflanzungsorgane entwickeln sich, der Verdauungskanal schrumpft, da die Aale aufhören zu fressen. Die Silberaale wandern von August bis September flussabwärts und in anderthalb Jahren wieder in die Sargassosee, dabei legen sie eine Strecke von etwa 4 800 bis 6 400 km zurück. Sie laichen dort in einer Tiefe von etwa 400 m und sterben dann. Aale sind Allesfresser: Breitkopfaale fressen besonders Fische, Spitzkopfaale Insektenlarven, Würmer, Muscheln, Schnecken, Krebse, selten Fische.
 
 
Den Flussaalen wird die Überwindung der Stauwehre oft durch Steige, Leitern oder Rinnen ermöglicht (Fischwege); zudem werden die Gewässer mit Glas- und Satzaalen besetzt. In Deutschland werden Glasaale in Herbrum (Kreis Emsland), Satzaale (Satzfische) in der Elbe- und Wesermündung gefangen. Gelbaale werden u. a. mit Reusen, Säcken, Legangeln, Kästen, Aalpöddern (Wurmknäuel) und mit elektrischen Geräten gefangen, Blankaale mit Schokker (früher in Rhein, Mosel, Main), Scherbretthamen (Elbe), Aalzeesen (Ostsee) und Aalreusen.
 
In einigen europäischen Ländern und in Japan bildet der Aalfang die Haupterwerbsquelle der Binnenfischerei. Mit den in den Flussmündungen leicht zu fangenden Jungaalen werden weit im Inland liegende Binnengewässer besetzt. Die Fangerträge werden gesteigert durch die Aufzucht von Aalen in Becken bei künstlicher Fütterung (v. a. in Japan, Taiwan, Italien, in Deutschland z. B. an der Mosel).
 
 
F. W. Tesch: Der A., Biologie u. Fischerei (21983);
 J. Sidley: A. (1995).
 

Universal-Lexikon. 2012.